FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG IN DESSAU

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Ich treffe Harald Genger an einem Mittwoch um 9 Uhr vormittags im großen Showroom seines Unternehmens, der seleon GmbH in Heilbronn. Bevor wir über Dessau sprechen, frage ich ihn ...

 

seleon ist ein One-Stop-Shop für Medizintechnik. Was bedeutet das für Ihre Kunden? seleon ist eine Firma, die sich rein auf die Dienstleistungen in der Medizintechnik spezialisiert hat. Wir können den Kunden von der Idee über die Entwicklung bis zur Zulassung, bis zur klinischen Studie, bis zur Serie und auch zum Postmarket betreuen. Der Kunde kann mit seiner innovativen Idee zu uns kommen, und wir von der seleon können alles umsetzen und abwickeln.

Der Kunde wird somit maximal entlastet, in der Schaffung von neuen, innovativen Produkten.

 

Eine Ihrer Kernkompetenzen in der Medizintechnik ist die Produktion. Was produzieren Sie? Wir produzieren elektromechanische Produkte für die Medizintechnik. Wir sind "Boxbuilder", das heißt, wir assemblieren, unter den Regularien der Medizintechnik und nach internationalen Standards. Wir haben in unserer Fertigung 17 Kundenaudits pro Jahr. Wir assemblieren medizintechnische Produkte und versenden sie auf Kundenwunsch an beliebige Orte. Wir haben beispielsweise einen Kunden, für den liefern wir direkt die medizintechnischen Geräte in die gewünschten Krankenhäuser weltweit, an dem Tag, an dem das Serviceteam des Kunden vor Ort ist.

 

Gehen wir zu Dessau über. Eine Stadt, die gerade viel Aufmerksamkeit durch das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum erfährt. Nicht allen ist bekannt, dass seleon einen Standort in Dessau-Roßlau hat. Genauer gesagt, dort sind Entwicklung, Produktion und auch Ihr Logistikzentrum. Dessau ist unser größter Standort und wurde von mir 2000 gegründet. In den letzten Jahren ist unsere Niederlassung in Dessau stark gewachsen, waren wir dort 2015 noch ca. 42 Vollzeitmitarbeiter, so waren es 2018 bereits 62 Vollzeitmitarbeiter. Das Besondere hier sind die kurzen Wege, wo die Entwicklungsingenieure direkt neben der Produktion sitzen. Zudem ein tolles Umfeld und großes Arbeitskräftepotenzial. Der Charme von Hugo Junkers - einem grandiosen Ingenieur und Unternehmer, wirkt noch heute. Hier in Dessau ist die Wiege der modernen Luftfahrt, lange Zeit haben die in Dessau entwickelten und gebauten Flugzeuge, wie beispielsweise die JU 52, die Luftfahrt weltweit dominiert. Hugo Junkers war von Anfang an ein Befürworter und Förderer des Bauhauses. Die Kombination von Kunst und Technik ist das Markenzeichen der Stadt.

 

Es heißt, die Gründung Ihres Unternehmens wurde bei Kaffee und Kuchen besiegelt. Genauer gesagt habe ich im Café Altmann in der Hauptstraße nach dem Notartermin meine ersten drei Mitarbeiter eingestellt. Daraus ist das heutige Unternehmen seleon entstanden, mit jetzt 120 Mitarbeitern und 80 Ingenieuren im Dienste der Medizintechnik.

 

Wieso Dessau und nicht München oder Freiburg, Ihrer Heimatregion? Dessau ist, wie bei vielen Unternehmen, eher zufällig entstanden, zu einer Zeit, als ich mich selbstständig machen wollte, im November 2000.

In Dessau fanden wir eine gute akademische Infrastruktur für unsere Entwicklung vor - Hochschule für Technik Leipzig, Hochschule Anhalt, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Technische Universität Berlin und Magdeburg etc. Zudem war die Wirtschaft noch nicht so überhitzt wie in München, meinem damaligen Wohnort. Mit der vernünftigen Kostenstruktur in Dessau konnten wir starten.

Zu Beginn waren es sehr kleine Räumlichkeiten mit drei Mitarbeitern. Anderthalb Jahre später zogen wir in das jetzige Gebäude in der Brauereistraße. Das ehemalige Gebäude der ZAB Zementanlagenbau GmbH Dessau wurde in den 90ern komplett renoviert. In den letzten 15 Jahren haben wir fast alles in diesem Gebäude angemietet und dehnen uns jetzt auch in den Nebengebäuden aus.

 

Erzählen Sie uns von einem Erfolgsprojekt aus Dessau. Das eigentliche und spannendste Projekt ist, wie man ein Unternehmen überhaupt startet und wachsen lässt. Das erste große Projekt in der Produktentwicklung war das CPAP, ein Heimbeatmungsgerät zur nächtlichen Beatmung. Dieses Pionierprodukt wurde komplett in Dessau entwickelt und dann auch produziert, mit diesem Entwicklungsprojekt von damals haben wir die seleon erfolgreich gestartet. Es gab noch weitere Projekte, doch die größte Hürde, ein Unternehmen über die Zehn-/Fünfzehn-Mitarbeiter-Schwelle wachsen zu lassen, haben wir mit dieser Produktentwicklung genommen.

Der nächste große Meilenstein in der seleon war die Entwicklung des Kontrastmittelinjektors. Ein wirklich großes und komplexes Medizinprodukt, an dem alle Gewerke, wie wir sie nennen, beteiligt waren. Es war die größte Entwicklung zu dieser Zeit und ist noch heute eine unserer Referenzen. Damit stellten wir unter Beweis, dass wir technologisch und organisatorisch in der Lage sind, komplette komplexe Systeme in der Medizintechnik zu 100 Prozent zu entwickeln.

 

Zuvor sprachen Sie davon, dass Sie auch Logistiker sind. Was ist damit gemeint? Der deutsche Mittelstand trumpft typischerweise mit der Logistik. Das ist bei uns nicht anders. Wir sind quasi ein "Logistik-Hub". Es gibt Kunden, da liefern wir direkt an deren 28 Tochtergesellschaften, auf der ganzen Welt verteilt. Die gesamte Logistikkette haben wir aufgebaut. Und das ist genau das, was uns in der Entwicklung und Produktion auszeichnet, dass wir die ganze Supply Chain perfekt managen - vom Einkauf (strategischen Einkauf) über die Fertigung bis zur Lieferung an den Kunden an jedem beliebigen Ort der Welt.

 

Die Firmenzentrale wurde nach Heilbronn verlegt. Warum? Ich habe einen finanzstarken Partner für den weiteren Firmenaufbau gesucht und bin mit dem ZFHN Zukunftsfonds Heilbronn fündig geworden. Seit 2007 besteht diese vertrauensvolle Partnerschaft, die sich in guten und auch schwierigen Zeiten bewährt hat. Darüber hinaus war es mein Wunsch, das Headquarter in Süddeutschland zu haben, da die überwiegende Mehrheit der Kunden sich auch hier befindet und die Kundennähe im Dienstleistungsgeschäft sehr wichtig ist.

 

Was ist zukünftig geplant? Ziel ist, jeden Standort zum Entwicklungszentrum für Medizintechnik auszubauen - Heilbronn, Dessau und auch Rumänien. Alle unsere Standorte sollen wachsen. Dessau ist der größte Standort und wird es auf absehbare Zeit auch bleiben. Unser Fokus liegt derzeit auf dem Ausbau des Standorts Heilbronn. Wir wachsen im Schnitt 20 Prozent pro Jahr. Dabei entstehen natürlich neue Jobs. Das Anwerben von Ingenieuren und Entwicklern in der heutigen Zeit ist und bleibt eine Herausforderung. Jedoch punkten wir mit unseren spannenden Projekten und den Freiräumen, die wir unseren Mitarbeitern bieten können. Bei uns kann jeder seine individuelle Stärke einbringen und ausleben - Team ist keine Floskel.

 

Über Ihren Standort in Rumänien haben wir nicht gesprochen. Demnächst?

 

Steckbrief

Harald Genger
Gründer und Geschäftsführer der seleon GmbH

Studium der Physik und Mathematik
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.

Fachgebiet: Forschung und Entwicklung Schlafmedizin

 

(Simone Oppenländer)

 

Bitte beachten Sie, dass alle Angaben und Auflistungen nicht den Anspruch der Vollständigkeit haben, ohne Gewähr sind und der reinen Information dienen.